
JUSTIN NOZUKA, SAVOY DÜSSELDORF
Vergessen Sie alles, wirklich alles was Sie die letzten beiden Jahre aus Kanada oder Umgebung gehört haben. Dieser Junge, am 29. Sep 1988 in NY geboren, ist die leibhaftige Reinkarnation des heiligen Tim Buckley! Was dieser Überflieger am gestrigen Sonntag auf der Bühne des Savoy bot, war schlicht atemberaubend. Mehr nicht. Dieser 20 jährige Knabe hat mit Abstand das beste Konzert eines Singer/Songwriters hingelegt, dass ich bis dato gesehen habe. Diese Energie, Leidenschaft, Kraft und Emotion vermutet man überall. Nicht aber in diesem Leib, kaum größer als der Korpus seiner Gitarre. Mit einer Stimme zwischen Ray Lamontagne, Tim Buckley und Josh Ritter, mühelos über 3 Oktaven, überzeugt er spätestens nach dem Cover "Ain't no sunshine" auch seine größten Zweifler. Also die Eltern der Jungfans aus der ersten Reihe (und mich). Bis auf besagtes Stück und "Grandma's hands", die einzigen Cover dieses Abends. Weitere 15 Songs stammen ausschließlich aus der eigenen Feder. Bereits seit dem 15. Lebensjahr (!) schreibt und componiert Justin Tokimitsu (Sohn eines Japaners und einer Kanadierin) alle seine Songs selbst. Mädchen, Beziehungen, vor allem aber die Liebe zu seinen Eltern stehen bei vielen Songs im Vordergrund. Bereits 2006 trat das Label Universal Rec. an den Knirps heran. Er aber lehnte dankend ab, zog Freiheit und Rechte an der eigenen Musik vor! Mit 18! Diese Entscheidung war wohl die Richtige. Zusammen Bass, Drums, Akustik- und E-Gitarre läßt es diese Teenie-Kombo dann auch so richtig krachen. Immer wieder trügt das Bild: Diese 4 Naseweiße? Was ziehen die hier nur ab? Selten kombiniert mein Gehirn das Gesehene mit dem Gehörten. Diese Professionalität ist man von Musikern gewohnt, die seit 20 Jahren auf den Bühnen der Welt zu Hause sind. Welterfahrene Allroundtalente mit Vorzeigevitae. Aber hier ist alles anders. Ich werde mir den guten Justin ein weiteres Mal anhören (müssen). Bei den moderaten Eintrittspreisen (20 €), fällt mir das besonders leicht. Achja! Als Vorgruppe, ich wiederhole "Vorgruppe" spielte An Pierlé auf. Ebendfalls mit toller Band und klasse Show. Spätestens jedoch nach dem Auftritt des jungen Nozuka muß wohl auch Pierlé eingestehen: Dieser Junge hat etwas, das man eine Jahundertgabe nennt. Der EINE von TAUSEND! So wünschte dann auch An im Anschluss an ihren Auftritt: Viel Freude mit dem WUNDER Nozuka!
[Künstler-Page] [Konzert-Titellist]
LIZZ WRIGHT, GLORIA KÖLN
Viel ist geschrieben worden über die neue Platte von Lizz. Viel Gutes. Obwohl: Die Kritiker werfen Ihr immer mal wieder Langeweile vor. Fahrstuhlmusik. Nachvollziehen konnte ich diese Unkenrufe selten, emfand ich doch die Alben SALT und DREAMING... erfrischend anders und ansprechend mikrofoniert. Der Konzertabend im Gloria lehrte mich aber eines Besseren. Stimmlich wirkte Lizz vom ersten bis zum letzten Song auf der Höhe ihrer Laufbahn. Gänsehautfeeling pur. Wo dieses Timbre einsetzt, bleibt kein Nackenhaar liegen! Mit gewltigem Druck in der Stimme erinnert Sie an einen ganzen Gospelchor. Jedoch die Band musiziert ehr wie an einem müden Probentag nach einer durchzechten Nacht. Lustlos! Wenn sie denn mal wach wird, dann rockt auch die gute Lizz wie man es von ihr erwartet. Meistens gelingt diese Synchronisation leider aber nicht. Mit Ihrer Show reiht sie sich nahtlos an eine Melua, Norah Jones oder Diana Krall an. Es ist schön dort gewesen zu sein. Der CD-Kauf hätte aber auch gereicht.
MARIA MENA, GLORIA KÖLN
Gehe ich hin, gehe ich nicht hin. Gehe ich hin, gehe ich nicht hin. Ich bin gegangen und das war gut so. Wenn man es einmal geschaft hat, Mrs. Menas gekünzeltes Getue auf der Bühne auszublenden, kann man ihre Darbietung sogar schätzen lernen und genießen.
Maria Viktoria Mena (* 19. Februar 1986) ist eine norwegische Popmusikerin.
Maria Mena wuchs in einer künstlerisch tätigen Familie auf: Die Mutter schrieb Songtexte, der Vater war Schlagzeuger. Maria und ihr jüngerer Bruder Tony wurden nach Figuren aus Leonard Bernsteins West Side Story benannt. Der Vater spielte in Oslo in vielen Bands, was auch seine Tochter bereits früh an die professionelle Musikszene heranführte.
Nach anfänglichem "Ach-Köln-Ihr-seit-alle-toll-Bla-Bla" bekam Diva Maria doch noch die Kurve und überzeugte mit beeindruckender Besetzung durch einen laziven, souligen Sound. Wer das neue Album "Apparently" gehört hat, wird mir zustimmen, das aus diesem Werk sicher noch zahlreichen Auskopplungen folgen werden. Unabhängig vom derzeitigen Startstürmer "Just hold me".
Maria gilt es in den nächsten Jahren zu beobachten. Wer auf nette Unterhaltung, eine gestylte Bühnenshow und schöne Frauen steht, wird sich bei MM gut aufgehoben fühlen. Genügend Potential für eine anständige Steigerungsrate ist allerdings vorhanden. Und mit 18 Euro Startkapital liegt der Kinobesuch dann doch nur auf Platz 2 Hinter Mena.

ERDMÖBEL, GLORIA KÖLN
Bezaubernd, frech, spitz, federleicht swingend und leicht.
Düster, beklemmend, prangernd. Mit ihrer Liveperformance im GLORIA haben es EM in den "EOC-Olymp" geschaft. Eine weitere deutsche Spitzenband hat ihren Platz gefunden.
Erdmöbel sind eine in Münster (Westfalen) gegründete und mittlerweile in Köln ansässige Band um den Sänger u. Songwriter Markus Berges (*9. August 1966 in Telgte).
Von ihrer Vorgängerformation, den Anfang der 1990er aufgelösten The Coffins, unterscheiden sie sich mit der programmatischen Neubenennung nach einem angeblichen DDR-Wort für Särge durch die seitdem deutschen Texte.
Sie bewegen sich mit ihren lyrisch verdichteten Texten, den ausgefallenen Arrangements des Produzenten Ekki Maas und dem expressiv-entspannten Gesangsstil von Markus Berges in einer Songwriter- und Musiziertradition amerikanischer Vorbilder.
Die ersten beiden Alben Das Ende der Diät (1996) und Erste Worte nach Bad mit Delfinen (1999) setzen auf E-Bass, Schlagzeug und zwei Gitarren als Gesangsbegleitung, Erdmöbel versus Ekimas (2000) enthält durch die Produktion des Bandmitglieds Ekimas deutliche elektronische Einflüsse, die fortan ein Element des Erdmöbelstils bleiben. Auf dem „Versus-Album“ ist auch der Höhepunkt der bis dahin erdmöbeltypischen
Melancholie erreicht.
Mit Altes Gasthaus Love (2003) und besonders mit dem live und akustisch gespielten Fotoalbum (2004) sind Erdmöbel deutlich weiter in Richtung federleicht beschwingte Popmusik gegangen. Folgerichtigerweise ist ihre Veröffentlichung Für die nicht wissen wie (2005) vom Easy-Listening-Pop der 60er Jahre beeinflusst.
Im Mai 2007 veröffentlichten Erdmöbel ein Konzeptalbum der besonderen Art und nannten es No. 1 Hits: Entgegen der üblichen Vorgehensweise Songs zu covern, die die eigene Musik beeinflusst haben oder deren Interpreten als Vorbilder gelten, machten sich Erdmöbel fundiertes Wissen um 30 Jahre Popkultur zunutze und
interpretierten konsequent internationale Hits von Künstlern, die nur eines gemeinsam haben: sie waren irgendwann einmal an der Spitze der Charts. Darunter Kurt Cobain mit Nirvana, Kylie Minogue, Gilbert O'Sullivan,
Bee Gees, Vengaboys, Procol Harum, Crash Test Dummies, Robbie Williams, Kraftwerk und viele andere.
Beachtung sollte man hierbei den Texten von Markus Berges schenken. In der aktuellen Besetzung spielen Markus Berges (Gesang und Gitarre), Ekimas (Bass, Gitarre, Posaune, Electronics), Wolfgang Proppe (Keyboards, Electronics) und Christian Wübben (Schlagzeug, Electronics). Live wird die Besetzung durch
den wundervollen Henning Beckmann (Posaune) erweitert.
